Seit zwei Monaten gibt es ein neues Angebot bei Wir sind Paten Cottbus: Unsere Patin Shamila begleitet einmal wöchentlich eine Krabbelgruppe, in der sich aktuell vier Mütter mit ihren Kindern im Alter von anderthalb bis zwei Jahren treffen.
Bevor sie Patin dieser vier Mütter wurde, war Shamila zunächst selbst Mentee bei WsP Cottbus. Nachdem sie aus Afghanistan nach Deutschland gekommen ist, lernte sie im Frauensprachcafé sowie im Sprachtandem mit unserer
Patin Katharina Deutsch.
Momentan besucht sie einen C1-Deutschkurs und möchte sich bald auf einen Ausbildungs- oder Studienplatz bewerben. Dass sie nun selbst als Patin aktiv ist, ist für Shamila ein Herzensanliegen. Sie möchte die Unterstützung, die sie selbst erfahren hat, weitergeben, um insbesondere andere Frauen mit ähnlichen Erfahrungen zu stärken.
Die Krabbelgruppe ist nicht nur ein Ort zum Spielen, sondern ermöglicht es sowohl den Kleinen als auch den Großen voneinander zu lernen und fördert somit das Miteinander. Während die Kinder erste wertvolle soziale Erfahrungen außerhalb ihrer Familien sammeln können, entsteht für ihre Mütter die Möglichkeit, sich auszutauschen und neue Kontakte zu knüpfen. Die Gruppe achtet bewusst darauf, den Kindern Raum zu geben, um neue Dinge auszuprobieren, zu beobachten und in ihrem eigenen Tempo auf andere zuzugehen. Dabei werden sie einfühlsam begleitet. Und auch die Mütter werden darin unterstützt, ihre Kinder bewusster wahrzunehmen und im Umgang mit den Gefühlen ihrer Kinder sicherer zu werden. Für die Kinder ist all dies zudem eine gute Vorbereitung auf den bevorstehenden Start in die Kita. Shamilas Engagement wird von ihren Mentee, den Müttern, sehr geschätzt, das spiegelt sich auch im positiven Feedback wider.
Teilnehmerin Azra schätzt, dass ihre Tochter Setayesh in einem geschützten Rahmen erste Kontakte zu anderen Kindern knüpfen kann: „Meine Tochter war seit ihrer Kindheit immer nur bei mir und ist sehr stark an mich gebunden. Außerdem hat sie wenig mit anderen Kindern gespielt. Dieser Ort ist eine wunderbare Möglichkeit für sie, durch das Spielen zu lernen, wie man Kontakte zu anderen Kindern aufbaut und mit ihnen umgeht. In den ersten Tagen hat sich meine Tochter noch unsicher gefühlt, aber nach einigen Wochen spielt sie nun sehr gut mit anderen Kindern zusammen und ich sehe deutliche positive Veränderungen in ihrem Verhalten. Ich bin sicher, dass ihr dadurch auch der Übergang in den Kindergarten leichter fallen wird.“
Rokhsar beschreibt, dass sie durch die Pat:inennschaft in Form einer Kleingruppe neue Seiten an ihrer Tochter Doa entdeckt hat und empfiehlt das Angebot anderen Eltern weiter: „Ich bewerte es sehr positiv. Meine Tochter hatte zu Hause immer einen guten Kontakt zu mir, ihrem Vater und ihrer Schwester, aber sie war bisher kaum in Kontakt mit fremden Menschen oder neuen Umgebungen. Als ich an dieser Gruppe teilgenommen habe, konnte ich eine wichtige Eigenschaft meiner Tochter besser erkennen: Ich habe bemerkt, dass sie eher schüchtern ist und Schwierigkeiten hat, mit anderen Menschen Kontakt aufzunehmen. Früher wusste ich das nicht, weil sie sich zu Hause ganz anders verhalten hat. Diese Gruppe hat mir geholfen, diese Seite meiner Tochter besser zu verstehen. Ich hoffe, dass ihr Selbstvertrauen mit der Zeit und durch die regelmäßige Teilnahme an diesem Programm stärker wird und sie leichter mit anderen Menschen kommunizieren kann. Das Programm ist für die Vorbereitung der Kinder auf den Kindergarten sehr hilfreich und ich würde es anderen Kindern und besonders Müttern empfehlen, die viel Zeit allein mit ihren Kindern verbringen.“
Auch für Mursal ist der erleichterte Sozialkontakt ihres Sohnes Ibrahim zu anderen Kindern ein besonders positiver Aspekt. Ibrahim sei durch die Gruppe offener und selbstbewusster geworden: „Als Mutter eines Einzelkindes begrüße ich dieses Programm sehr. Früher hatte mein Sohn Angst vor anderen Kindern und sogar vor Erwachsenen. Wenn er anderen begegnete, begann er oft zu weinen. Der Grund dafür war, dass er zu Hause immer nur mit mir zusammen war und wir die meiste Zeit allein verbracht haben. Seitdem wir an dieser Patenschaft teilnehmen, sehe ich viele positive Veränderungen bei meinem Sohn. Er hat keine Angst mehr vor anderen Kindern oder Erwachsenen, sein Selbstvertrauen ist stärker geworden und er kann jetzt sehr gut mit anderen Kindern spielen. Auch seine sozialen Fähigkeiten haben sich deutlich verbessert.“
Gleichzeitig hebt Mursal auch hervor, wie wichtig der Erfahrungsaustausch mit den anderen Müttern für sie selbst ist: „Dieser Ort ist auch für mich sehr hilfreich, weil ich mich im Umgang mit vielen Fragen rund um die Kindererziehung oft unsicher gefühlt habe. Wir sprechen hier oft über die Probleme der Kinder und lernen viele wichtige Dinge und Erfahrungen voneinander, die mir helfen, mein Kind besser zu erziehen und zu begleiten. Durch diese Gruppe konnte ich auch andere Frauen kennenlernen und Freundschaften schließen. Das hat sich ebenfalls sehr positiv auf meine eigene Stimmung und mein Wohlbefinden ausgewirkt.“
Viele Eltern und vor allem Mütter haben während ihrer Elternzeit weniger Kontakt zu anderen Erwachsenen als davor. Vor allem für jene, die in ihrem Freund:innen- oder Bekanntenkreis keinen oder kaum Kontakt mit anderen Eltern haben, ist in der Kleingruppen-Pat:innenschaft ein willkommener Austausch möglich, über das Elternsein, Erziehung und darüber hinaus. Hieraus können auch Freund:innenschaften entstehen. Aus dem Feedback von Fatema, die regelmäßig mit ihrem Sohn Ayhan zur Krabbelgruppe kommt, geht hervor, wie bereichernd sie das nicht nur für ihr Kind, sondern auch sich selbst findet: „Hier kann Ayhan mit anderen Kindern spielen und es ist eine sehr schöne und wertvolle Beschäftigung für ihn. Außerdem war ich früher immer allein mit meinem Kind zu Hause und hatte kaum die Möglichkeit, andere Mütter kennenzulernen. Dieser Ort hat mir die Gelegenheit gegeben, wenigstens einmal pro Woche andere Mütter zu treffen, die sich in einer ähnlichen Situation befinden wie ich. Das ist sowohl für mich als auch für mein Kind sehr wertvoll.“
Die Rückmeldungen der Teilnehmerinnen zeigen, dass sie die Pat:innenschaft in Form einer Kleingruppe nicht nur als Spielangebot und Entwicklungsförderung für ihre Kinder schätzen, sondern sie als geschützten Raum wahrnehmen, in dem Verbindungen entstehen, sie sich öffnen, gegenseitig bei Herausforderungen und Themen, die sie beschäftigen, unterstützen und empowern können. Alle vier Frauen wünschen sich häufigere Treffen und gleichzeitig mehr Möglichkeiten, hierbei auch Deutsch zu üben. Sie befinden sich auf unterschiedlichen Sprachniveaus und da Shamila über sehr gute Deutschsprachkenntnisse verfügt, übt sie nun mit den Frauen einige Vokabeln und unterstützt sie bei ihrem Wunsch, Deutsch zu lernen. Shamilas Weg von der Mentee zur Patin macht deutlich, wie nachhaltig Pat:innenschaften wirken können. Sie schaffen Begegnungen, stärken Menschen und eröffnen neue Perspektiven.